Wann hilft Beten und positives Denken?

Wann hilft Beten und positives Denken?

Und wo sind die Grenzen dieser Methoden?

Viele Menschen suchen nach Auswegen aus Problemen. Es gibt ja genug Situationen die quer laufen, oder vielleicht nicht so wie sie sollen.

Seit alten Zeiten wird in allen Religionen empfohlen zu beten und zu bitten. Auch wenn das nachweislich nicht immer geholfen hat. Moderne Versionen sind das positive Denken und das beim Himmel bestellen. Wäre nicht irgendetwas daran, wären diese Ansätze längst untergegangen. Aber was ist nun möglich, was nicht? Wann laufen diese Bemühungen, wann nicht?

Es gibt „Erfolgs-Gurus“, die ganz selbstverständlich verkünden, dass das positive Denken immer hilft. Es sei denn man macht es falsch, und dann ist man es selber schuld wenn es nicht funktioniert. So ist es nicht!

Selbst erfüllende Prophezeiungen

Einen ersten Hinweis gibt uns die Medizin mit dem von ihr so ungeliebten Placebo-Effekt. Wenn man Menschen Pillen gibt, von denen die verabreichenden Ärzte voll überzeugt sind, dass sie toll helfen, zeigt sich bei einem beachtlichen Teil der Patienten zum Teil starke Besserung, auch wenn die Pillen nur aus Traubenzucker bestanden haben. Dass geht so weit, dass Patienten mit orthopädischen Problemen, an denen man mit voller Inszenierung und Narkosen Scheinoperationen durchgeführt hat, mit überzeugend echt wirkenden OP-Narben und Verbänden, nach der Rekonvaleszenz starke Besserungen bis vollständige Heilung zeigen.

Dies verstößt zwar gegen das wissenschaftliche  „nicht sein kann, was nicht sein darf.“ Aber es funktioniert trotzdem, und noch dazu sehr auffällig oft. Sogar wissenschaftlich nachgewiesen.

Vertrauen kann heilen  –  wie bei Placebos

Im Englischen gibt es dazu den aufschlussreichen Begriff des „Faith Healing“. Faith ist mit Glaube zu übersetzen, aber auch mit Vertrauen in eine Person, in das Göttliche, oder in eine transzendentale Realität. Da beim Placebo-Effekt keine materiellen „Fakten Ursachen“ vorliegen, aber zum Teil massive Wirkungen in Körper und Geist, gehört er also zum Faith Healing – auch wenn nichts sichtbar Religiöses dabei im Spiel war.

Also ist auf Grund naturwissenschaftlich einwandfreier Versuche davon auszugehen, dass ohne „materiell nachweisbare oder vorhandene Ursachen“ zum Beispiel Heilung möglich ist. Um es einfach zu sagen: Viele der Placebo-Patienten haben einfach Vertrauen gehabt, dass ihnen geholfen wird, und es wurde ihnen geholfen. „Und so geschah es.“ Sie haben „positiv gedacht“ und die gewünschten Placebo Ergebnisse gehabt.

Geist kann Körper und Probleme beeinflussen

Also können wir aus „positivem Denken“ auch mit Einsatz von naturwissenschaftlich anerkannten Methoden lernen, dass „Geist Körper bewegen und verändern“ kann. Wenn das bei simulierten Operationen Erfolge bringen kann, warum nicht auch, wenn man „mit Vertrauen beim Himmel bestellt“ oder sich mit entsprechender Einstellung einen freien Parkplatz denkt und ihn auch findet.

Mit anderen Worten, sogenannte Wunder sind möglich. Sonst gäbe es keinen Placebo Effekt!

Wer kann solche Heilungen und Geschenke bekommen?

Aber: wann und wem passieren solche Wunder? Denn wir wissen, dass Placebo Effekte nicht bei jedem und auch unterschiedlich ausgeprägt auftreten, vom gar nichts über den kleinen Effekt bis zum Wunder.

Können Pessimisten auch erfolgreich die Segnungen des Placebo Effekts erleben – oder geht das schief? 

Natürlich gibt es auch dazu Untersuchungen. BBC beschreibt die Ergebnisse einer Studie zur Kopfschmerz stillenden Wirkung von Aspirin. Wer eine negative Erwartung zur Wirkung von Aspirin hatte, erlebte in den Versuchen nach der Einnahme von Aspirin oft das Auftreten von leichten bis sehr schweren Kopfschmerzen.

Mit anderen Worten: „negative“ Erwartungen können das Gegenteil des eigentlich positiven Effekts hervorrufen. Stellen Sie sich vor jemand wünscht sich den berühmten freien Parkplatz, ist sich aber klar darüber, dass bei ihm so etwas nicht funktioniert, weil bei ihm ja alles schief geht. Das Ergebnis können auffällig lange vergebliche Suchen nach einem Parkplatz sein.

Also glauben Sie bitte nicht einfach, dass sogenanntes positives Denken Ihnen helfen muss. Auch wenn Faith, Vertrauen und positives Denken mitunter Wunder wirken können. Wenn in Ihnen Unglaube oder Ablehnung ist, wenn Sie sich zum Beispiel bewusst oder unterbewusst für einen notorischen Pechvogel halten, kann der Schuss sogar nach hinten los gehen.  Wer Ihnen „positives Denken“ als eine einfach auszuführende und  Ergebnis sichere Übung verkauft, kann Ihnen helfen oder sogar schaden.

In meiner Praxis habe ich schon viele Menschen gesehen, die sich um positive Wendungen in ihrer Gesundheit oder in Lebensfragen bemühten, und auch glaubten dass sie doch positiv an alles herangingen. Und dann doch einen Rückschlag nach dem anderen einsammelten. Oft sind es dann im Unbewussten verborgene negative Einstellungen und Erwartungen, die dann geradezu negative Ergebnisse brüten. Diese verhindernden Einstellung können dann in Heilbehandlungen aufgelöst werden.

Lesen Sie nächste Woche im zweiten Teil: Kann positives Denken negative Wirkungen haben?


Bildquelle: Titelbild “Gebet” – Benjamin Thorn / pixelio.de
 

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